Emanuel Mahrholdt: Staatliche Kulturförderung? Was man nicht sieht…

Was man sieht:

„Die französische Regierung plant die Einführung einer neuen Smartphone-Steuer. Frankreich will so die Finanzierung von Film, Musik und Literatur auch im Digitalzeitalter sicherstellen.So will Frankreich seine Kulturindustrie schützten, die traditionell stark vom Staat gefördert wird. Allein die Filmbranche erhielt im vergangenen Jahr mehr als 749 Millionen Euro aus Steuern auf Fernsehwerbung, Pay-TV und Kinokarten.”

(Spiegel Online 14.05.2013)

Was man nicht sieht:

Viele werden sagen: Wo ist das Problem, wenn der Staat die Kultur fördert? Hat nicht schon der legendäre Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann die Devise „Kultur für alle” zum Programm erhoben? Und wer sollte denn sonst die armen Schauspieler, Sänger und Künstler vor der bitteren Armut und dem Leben auf der Straße schützen?

Der fürsorgende Sozialstaat hat eine Ewigkeitsgarantie und, anders als der Markt, kein Wachstums-, dafür allerdings ein echtes Finanzierungsproblem. Die Subventionierung ist ein Selbstläufer geworden, aber Kritik an diesem System ein Sakrileg. Für Oper, Theater, Ballett, Museum oder Musikschule gilt seit je her das Wagnersche Gesetz, wonach die Ausgaben und damit der Finanzierungsbedarf des Staates immer nur wachsen, aber nie zurück gehen können.

Ein gravierendes Problem ist, wie so oft, die Willkür des Staates, der sich natürlich die Projekte selbst aussucht, die er unterstützen möchte. Bestes Beispiel dafür ist die Subventionierung der Filme von David Groenewold durch das Land Niedersachsen unter Ministerpräsident Wulff. Wer entscheidet wer Geld bekommt und wer nicht? In diesem Fall erschleicht sich ein kluger Geschäftsmann 72.994,64 Euro für einen Zeichentrickfilm, in dem ein Comic-Hitler seine Hose runterlässt und auf die Bühne pinkelt.

Natürlich kann man sagen, dass dies eine Ausnahme ist und Kultur ja gar nicht genug gefördert werden kann, aber wieso denn nicht privat? Dass Theater und Opern partout staatlich gefördert werden müssen, bleibt ziemlich unbewiesen, wie der von einkommensstarken Stadtbürgern finanzierte Neubau des Frankfurter Städels beweist. Außerdem ist eine Umverteilung von arm zu reich (meist besuchen wohl Besserverdiener ein Theater oder die Oper) auch noch sozial ungerecht! Jeder Theaterbesuch in Deutschland wird mit durchschnittlich 103 Euro subventioniert, dabei gibt es zahlreiche private Kulturstätten, die sich komplett selbst finanzieren.

Der Direktor der Kulturstiftung Pro Helvetia, Pius Knüsel, fasst ganz richtig zusammen:„Der Staat nimmt den Bürger an der Hand und erklärt ihm, was gute und schlechte Kunst sei. Im Kartell von Kulturkritik und staatlicher Kulturindustrie ist die Ausrichtung an den Präferenzen der Kunden nicht erwünscht.” Ich meine: Auf in den Kulturkampf!

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