Ist Zypern nur der Anfang?

Nach dem die Regierung in Zypern die Zwangsabgabe durch die Kontoinhaber abgewendet hat, fragt man sich nun im ganzen Euroraum ob dieses Modell nur ein einzigartiges bleibt oder ob es doch weitere Male angewandt  wird.

Die Angst der Bürger ist nicht unberechtigt, denn die Maßnahmen die EZB und EU in den letzten 5 Jahren getroffen haben sorgten nicht für eine langfristige Linderung der Probleme. Durch die Vergabe von Krediten und drucken von weiteren Banknoten sorgte man nur für ein aufschieben der Probleme und nicht deren Lösung.

Die Resultate sehen wir Woche für Woche. Aus Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal und neuerdings auch wieder aus Zypern kommen immer mehr Meldungen über mögliche Staatspleiten. Diese Meldungen sorgen immer wieder für große Schlagzeilen in der Presse und Unmut bei den Menschen in der EU, nicht nur in Deutschland regt man sich über die Kreditvergabe an „Krisenstaaten“ auf sondern auch in den „Krisenstaaten“ selbst. In Griechenland, Zypern, Spanien und Portugal protestieren dagegen immer wieder tausende um ihre Meinung zu den von der EU auferlegten Sparmaßnahmen kund zu tun.

Jetzt im Frühjahr 2013 brachten es die Vertreter der EU auf die Spitze des Eisberges. Nach dem Zypern finanzielle Hilfe verlangte um den Staatsbankrott abzuwenden wollte man seitens der EU den zypriotischen Bürger in Form einer Zwangsabgabe belegen um ein mögliche Hilfen fließen zu lassen. Die Abgabe betrug bei mehr als 100.000€ auf dem Konto 9,9% des auf dem Bankkonto befindlichen Geldes und unter 100.00€ 6,75%. Die EU fand hiermit mehr oder weniger einen Sündenbock für die zyprische Krise, die Kontoinhaber der kleinen Mittelmeerinsel.

Wie bereits oben genannt stimmte die Regierung gegen diese Zwangsabgabe und damit auch gegen ein Hilfspaket. Trotz der Ablehnung des Angebotes bleiben die Banken Zyperns bis Dienstag, den 26.03 geschlossen. Viele Geschäfte auf der Insel haben bereits geschlossen, weil der Finanzverkehr größtenteils gestoppt ist und auch Hotels akzeptieren nur noch Bargeld.

Für die anderen Bürger in der EU aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien, etc. stellt sich jetzt die Frage: „Droht uns das auch?“. Man muss diese Frage leider mit „Ja“ beantworten. Seit 2008 stottern wir nun durch die Eurokrise und man verzögert durch die wahllose Kreditvergabe nur den Moment der Staatspleiten. Zu diesem Zeitpunkt zahlen besonders Frankreich und Deutschland große Teile der Hilfen, allerdings kann dies nicht auf Dauer funktionieren und die Frage ist nicht „ob“, sondern eher „wann“ die beiden „Zugpferde“ der EU ebenfalls Probleme bekommen. Zwar ist der Einwand der starken Wirtschaft berechtigt, aber wenn das Geld den Markt zu sehr überschwemmt kollabiert dieser unvermeidlich. Diese Geldschwemme ist bereits sehr groß und das „Zeit erkaufen“ funktioniert auch nur bis zu einem gewissen Grad.

Was dann geschieht, wenn Deutschland am Staatsbankrott schleift sind für uns heute noch nahezu unvorstellbare Szenarien. Die bereits sehr hohe Steuerlast auf den einfachen Bürger wird sich dann erhöhen und zur Not werden dann Banken geschlossen und der Betrag auf den Konten kann teilweise bis ganz eingezogen werden, wie man es jetzt in Zypern noch „demokratisch“ versucht. Dieses Szenario ist bei Fortführung der jetzigen Europolitik unausweichlich.

Viele Wirtschaftsexperten warnten bereits noch vor 2008 vor den Szenarien die wir heute erleben doch damals wurden sie noch belächelt oder ignoriert. Heute ist die Vorhersage Wahrheit geworden und man kann in der jetzigen Situation nur auf die Vernunft der Politik hoffen. Die Vernunft gar nichts zu tun und die Kräfte des Marktes wirken zu lassen.

 

Es wird heißen, wir finanzieren Faulenzer, die an südlichen Stränden in Cafes sitzen…. Die Währungsunion wird am Ende auf ein gigantisches Erpressungsmanöver hinauslaufen…. Wenn wir Deutschen Währungsdisziplin einfordern, werden andere Länder für ihre finanziellen Schwierigkeiten eben diese Disziplin und damit uns verantwortlich machen. Überdies werden sie, selbst wenn sie zunächst zugestimmt haben, uns als eine Art Wirtschaftspolizisten empfinden. Wir riskieren auf diese Weise, wieder das bestgehasste Volk Europas zu werden.“

Prof. Arnulf Baring im Jahre 1997 in seinem Buch „Scheitert Deutschland?“

 

Ein Beispiel für die Kräfte des Marktes ist die „vergessene Krise der USA 1920/21“. Diese Krise sagt Ihnen nichts? Kein Wunder, diese Krise wurde überwunden.

Auszug von: http://ausserdem.info/2012/Die-vergessene-Krise-USA-1920-1921
„Die Wirtschaftskrise 1920 begann nach einigen Maßstäben schlimmer als die Weltwirtschaftskrise oder die moderne Krise seit 2007, trotzdem war sie nach etwas mehr als einem Jahr vorüber.Wie eigentlich alle Krisen wurde auch diese vom Staat verursacht, in diesem Fall durch den ersten Weltkrieg und die Umstellung auf Friedenswirtschaft danach: Das Bundesbudget wurde von 1919 auf 1920 um 65% gekürzt und bis 1922 noch einmal halbiert. Das Budget fiel von 18,5 in 1919 auf 3,3 Milliarden in 1922. (Heute liest sich das wie eine Sage von einem anderen Planeten. Unsere Staaten sind bereits so verkrustet und handlungsunfähig, dass eine Kürzung von wenigen Prozent wie eine übermenschliche Leistung erscheint, eine Kürzung der Staatsausgaben um 82% in 3 Jahren ist heute unvorstellbar. )

Die Krise von 1920 war, wenn man die offiziellen Zahlen für die Deflation als Maßstab her nimmt, wesentlich schlimmer als die, die 1929 folgen sollte. 1920 gab es eine Deflation von über 13%, der höchste Wert in der Geschichte des Dollars (wesentlich höher als während der Weltwirtschaftskrise). Das Bruttoinlandsprodukt wurde damals noch nicht berechnet, aber diverse Indikatoren ergeben einen Rückgang von ca. 35% von Produktion und Handel. (Auch dieser Wert ist wesentlich höher als der Rückgang von 26,7% des BIP während der Weltwirtschaftskrise in den USA). Wenn die heutigen „Wirtschaftsexperten“ von „Abwärtsspiralen“, „Liquiditätsfallen“ und ähnlichen bedrohlichen Dingen reden, wenn die Staatsausgaben um ein paar Prozent zurückgehen, kann man sich ausmalen, welche Weltuntergangsszenarien sie bei den Werten von 1920 anstimmen würden. Im Vergleich dazu wird der Rückgang des BIP 2007-2009 mit gerade einmal 4,1% angegeben, was übrigens auch zeigt, wie wenig aussagekräftig die Warenkorb-optimierten BIP-Werte sind.

Die amerikanische Zentralbank und der Staat taten 1920 beide nichts gegen die Krise: Keine Konjunkturpakete, keine Staatsgarantien, keine neuen Steuern gegen „Spekulanten“ und andere Sündenböcke, keine Rettungspakete und vor allem keine Zinssenkungen. (Im Gegenteil: Die Zentralbank hob die Leitzinsen sogar an. )

Was ist passiert? Nun, es gab eine kurze und harte Krise mit 11,7% Arbeitslosigkeit 1920, doch diese sank schnell auf 6,7% (1921) und dann weiter auf 2,4% (1922). (Man muss auch dazu sagen, dass es damals keine „Schulungen“ zur Schönung der Arbeitslosenstatistiken und wesentlich weniger Teilzeitarbeit gab. 11,7% waren damals Krisenwerte, sind aber in vielen „sozialen Marktwirtschaften“ eigentlich schon normal geworden. )

Anhand dieses Beispiels sieht man wie schnell sich die Marktwirtschaft von staatlichen Eingriffen (in diesem Fall der erste Weltkrieg) erholen kann, wenn sie bloß die Politiker in Ruhe lassen.“ 

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